Im Rahmen der fortschreitenden „Digitalisierung“ in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen begann der Siegeszug „digitaler Tafeln“, der „Whiteboards“. Keine Schule, keine Universität, die etwas auf sich hielt, konnte sich der Anschaffung z.B. eines Smartboards (eine Hersteller-Marke) entziehen, wollte doch jeder vorne mitspielen, wenn es um die Einführung neuer Lehrtechnologien geht. Die Vorteile liegen auf der Hand, die Digitalisierung der Tafel verspricht neue Möglichkeiten und eine zukunftssichere Infrastruktur.

Das Whiteboard / Smartboard als Tafelersatz – eine gute Lösung für Schulen?

Alle führenden Whiteboard-Anbieter (SmartNotebook, Active Inspire, Class Flow etc.) bieten dabei ähnliche Funktionen, die für einen flexibleren Unterricht reizvoll sind und didaktischen Mehrwert versprechen:

  • Text mit Stift oder Finger bzw. mit der Tastatur schreiben.
  • Zeichnen geometrischer Formen.
  • Speichern und Öffnen von Seiten ⇒ damit ist nun die Vorbereitung von Inhalten zuhause und deren direktes Öffnen im Klassenraum möglich.
  • Mehrere Seiten nacheinander anlegen.
  • Externe Objekte einfügen (Bilder, Texte, Grafiken, Statistiken etc.).
  • Objekte vergrößern, verkleinern und verschieben ⇒ Tafelbilder können also auch im Nachhinein problemlos verändert oder korrigiert werden.
  • Dynamisches Einbinden von Medien (Videos, Musik, Inhalten aus dem Internet) in das Tafelbild ist möglich.
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Auf Bildungsmessen wie der Didacta nach wie vor stark beworben: Whiteboards.

Problematisch bei Smartboards sind vor allem vier Faktoren, die in der Praxis deutlich zu Tage treten:

  • Der sehr hohe Preis (z.B. bei Smartboards von 6.000-10.000 Euro / Gerät).
  • Die Einarbeitung in das neue System und die Software, die häufig zu Frustration in der Praxisanwendung führt und umfassende Fortbildungen erfordert.
  • Im Vergleich zu Beamer-Lösungen eine bei vielen Geräten geringere sichtbare Arbeitsfläche (z.B. in einem meiner Uni-Seminare kaum lesbare Powerpoint-Präsentationen durch kleines Smartboard).
  • Hohe Wartungskosten im weiteren Verlauf (Verschleiß an Lampen, Verlust der Spezialstifte, Kosten für neue Software etc.)

Das führte an vielen Schulen dazu, dass Smartboards trotz ihrer Möglichkeiten relativ schnell zu teuren Investitionsruinen wurden – es fehlte nach häufig so euphorischen wie verfrühten Schnellkäufen an didaktisch-pädagogischen Konzepten, Fortbildungen und einer offensichtlichen Komplexitätsreduktion für die Lehrkräfte.

Das iPad als Tafelersatz – wer braucht noch interaktive Tafeln?

Schlüssiger erscheint es angesichts der genannten Contra-Argumente, von denen insbesondere das Preis-Argument ausschlaggebend sein dürfte, das iPad als Tafel-Ersatz zu nutzen. Anstatt eine viele tausend Euro teure Whiteboard-Ausstattung zu kaufen, die zudem statisch im Klassenraum befestigt ist, müssen Schulen nur folgende Voraussetzungen schaffen:

  • Eine weiße Projektionsfläche im Klassenraum (sinnvollerweise zentral über der Tafel),
  • einen HD-Beamer (ca. 300-400 Euro),
  • HDMI-Kabel und Adapter für das iPad (ca. 40 Euro)
  • ggf. Musikboxen (100-200 Euro),
  • ggf. ein AppleTV zur drahtlosen Bildübertragung vom iPad auf den Beamer (60-150 Euro, je nach Modell).

Damit ist die Ausrüstung vonseiten der Schule vollständig und wesentlich günstiger. Als Ersatz für Dokumentenkameras könnte noch eine entsprechende Halterung für das iPad gekauft werden (ca. 100 Euro) und schon fungiert das iPad als Dokumentenkamera. Die Kosten stellen insgesamt nur den Bruchteil einer Smartboard-Lösung dar.

Das iPad erscheint insbesondere als vollwertiger Smartboard-Ersatz, als für ca. 10 Euro Apps erhältlich sind, die den gesamten Smartboard-Funktionsumfang bieten und in der Nutzung zusätzliche Vorteile haben. Eine dieser Apps ist „ExplainEverything“ – die führende Whiteboard-App für iOS, zu der über „iPad für Lehrer“ auch ein Video-Tutorial veröffentlicht wurde und die ein Whiteboard überflüssig macht.

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Soll es etwas einfacher sein, stellt auch die Notizen-App GoodNotes eine hervorragende Lösung dar – einen kurzen Überblick bietet ein Video aus dem Youtube-Kanal.

Zusätzliche (pädagogisch-didaktische) Vorteile:

  • Erstellen von Kommentaren und Tafelbildern am Lehrerpult mit Blick zur Klasse ⇒ konzentrierteres Arbeiten.
  • Normale Schreibposition am iPad (mit ApplePencil) statt stehend am Board ⇒ optisch gelungenere Arbeitsergebnisse.
  • Auch Schülerinnen und Schüler können (per AppleTV drahtlos) Arbeitsergebnisse und Inhalte nahtlos präsentieren ⇒ effizientere Unterrichtsdurchführung.
  • Nutzen von Clouds (schulintern z.B. iServ oder privat z.B. Dropbox zum Aufrufen und Abspeichern von Inhalten).
  • Nahtlose Nutzung aller Medien (Audio, Video etc.) über die gewohnte Arbeitsoberfläche ⇒ größere Sicherheit bei Lehrkräften.
  • Weiternutzung der Arbeitsergebnisse auf dem (i.d.R. privaten) iPad.
  • Nutzung der Ergebnisse auf dem iPad klassenraumübergreifend möglich – ein vollständige Smartboard-Ausstattung von Schulen erscheint dagegen aufgrund der Kosten utopisch.

Persönliches Fazit – iPad schlägt Whiteboard / Smartboard

Die Kombination dieser Ausstattung hat sich im Praxiseinsatz inzwischen deutlich bewährt. Die Anschaffungskosten sind geringer, die Wartungskosten (basierend auf Erfahrungswerten) ebenfalls, die Vorteile für die Lehrkräfte (einfache Bedienung, persönliches Gerät, Arbeitsweise im Unterricht etc.) liegen auf der Hand.

Zugleich bieten Apps wie „Explain Everything“ und „GoodNotes“ bei intuitiver Anwendung einen hervorragenden Funktionsumfang, der alle Anforderungen im Unterricht erfüllt. Das Tablet (in diesem Fall das iPad) schlägt damit deutlich das Whiteboard / Smartboard, das eher als ein Ergebnis guter Lobby-Arbeit eines Markenherstellers erscheint, denn als wirklich überzeugende und zukunftssichere Lösung für (die notorisch finanzschwachen) Schulen.

 

Dieser Artikel stellt eine erste Ideensammlung dar und wird fortlaufend ergänzt.

 

 

 

 

 

Posted by POE

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